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Entwicklung 1. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Soofi – AI made in Germany

Zwischen all den LinkedIn-Posts über „europäische KI-Souveränität" geht gerne unter, dass daran tatsächlich Leute arbeiten und das – trotz einer absolut lächerlichen Förderung vom Bund – extrem erfolgreich. Meine Damen und Herren, ihre heutige KI Chat-Partnerin: Soofi.

Was ist Soofi?

Soofi steht für „Sovereign Open Source Foundation Models" und ist ein Konsortialprojekt, koordiniert vom KI Bundesverband und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – mit 20 Millionen Euro für das gesamte Vorhaben. Mit dabei:

Das erste Modell heißt Soofi S – ein 30B-Modell mit bewusstem Fokus auf Deutsch, trainiert auf der Industrial AI Cloud der Telekom in München. Es ist sparsam genug gebaut, dass man es selbst hosten kann, ohne ein Rechenzentrum im heimischen Garten betreiben zu müssen. Größere und feiner abgestimmte Varianten sind aber auch schon in Arbeit.

Und was soll man sagen: es gibt nix zu meckern, weil es einfach funktioniert. Unter den vollständig offenen Modellen liegt Soofi S auf Deutsch und Englisch vor allen anderen – auch vor deutlich größeren Modellen wie Apertus 70B. Das ist keine Trostpreis-Meldung „für ein europäisches Modell ganz nett", sondern ein erster Platz in seiner Klasse.

Aber warum ist eine europäische Lösung so wichtig?

DSGVO, Datenabfluss, Abhängigkeit – kennt jeder, alles richtig, alles schon hundertmal gehört. Mir sind aber zwei andere Punkte auch extrem wichtig.

Zum Einen: ein Modell, das man herunterladen kann, altert nicht weg. Wenn ein US-Anbieter morgen abschaltet, die Preise verdreifacht oder das Verhalten still ändert (looking at you Fable 5), ist das eigene Produkt kaputt – und man kann exakt nichts dagegen tun. Das ist keine Ideologie, sondern Risikomanagement.

Zum Anderen: Offenheit, die tatsächlich weh tut. Das Konsortium hat nicht nur das Modell veröffentlicht, sondern auch, womit es trainiert wurde. Was bedeutet das konkret? Recht schnell hat die Community einen Fehler entdeckt; Prüfungsfragen eines Benchmarks waren versehentlich in die Trainingsdaten gerutscht, das Modell hatte den Test also teilweise vorher gesehen. Reaktion: Benchmark gestrichen, alle Vergleiche neu gerechnet, Vorfall dokumentiert. Das tut kurz weh, ein paar Finger zeigen auf einen, aber bei einem geschlossenen Modell hätte das nie jemand finden können. Genau darum geht es bei souverän: nicht um die Flagge auf dem Server, sondern darum, dass man nachsehen darf beziehungsweise vielleicht auch sollte.

Warum ist das Branding so Arsch?

Und jetzt der Teil, der mir als Webentwickler mit halbem Design-Auge am meisten wehtut und weshalb ich, wie ein guter Alman, doch etwas zu meckern habe.

Der Name ergibt buchstäblich keinen Sinn. „Sovereign Open Source Foundation Models" wäre SOSFM oder – wie die eigene Workshopreihe des Projekts tatsächlich heißt – OSFM. „Soofi" ist daraus keine Abkürzung, sondern ein Vokalbrei, der klingt wie eine Einschlaf-App, ein Plüschtier oder ein Wellness-Tee; da hätte ich lieber noch Claude eingedeutscht und einen Klaus daraus gemacht. Dazu die Modellnamen: Soofi S, Soofi L. … während OpenAI mit Sol, Terra und Luna das Latinum entstaubt und Anthropic mit Gedichtformen und Mythologie wie Sonnet, Haiku oder Mythos in den Ring steigt, reicht die German Vorstellungskraft™ gerade mal für Konfektionsgrößen.

Und dann die Website. Ein Projekt, das gerade das beste offene Deutschmodell auf dem Markt gebaut hat, präsentiert sich auf einer .info-Domain, gebaut mit dem IONOS-Homepage-Baukasten. Es gibt einen Cookie-Banner und ein zweites Consent-Overlay für einen Drittanbieter-Übersetzungsdienst – bei einem Souveränitätsprojekt. Die Pressemitteilung ist ein PDF unter /wp-content/uploads/go-x/u/23983fc3-…. Das Brand Kit ist ein ZIP mit Logos.

Das schlägt quasi die Brücken zum nächsten Problem: dem Content. Die Startseite verlinkt, wie bereits erwähnt, eine Pressemitteilung als PDF; der Techreport, also das eigentliche Argument des Projekts, liegt eine Ebene tiefer. Wenn externe Medien wie The Decoder das Projekt besser erklären als die Website des Projekts selbst, ist Content-seitig irgendwas mächtig schiefgelaufen.

Das ist kein reines Ästhetik-Gemecker. Souveränität ist ein Vertrauensargument, und Vertrauen entscheidet sich bei einem Geschäftsführer im Mittelstand in den ersten fünf Sekunden auf der Website. Wer gegen die Präsentationsmaschinen aus San Francisco antritt und dabei aussieht wie die Homepage eines Kegelvereins, verschenkt einen Teil dessen, was das Team technisch gerade richtig richtig gut hinbekommen hat.

Also: Modell top, Kommunikation flop. Gebt mir 1 % der Förderung und wir reißen das Ding visuell gemeinsam ab, einfach melden via hallo@niklashawener.dev. Der Rest sitzt schon und ich bin großer Fan, dass wir doch noch nicht ganz abgeschrieben sind beim Thema Digitalisierung. Danke dafür und ein besonderes Danke an die klugen Köpfe, die das alles gebaut haben.